Rentenlücke verstehen: Tipps und Erfahrungen zur Altersvorsorge

Hast du schon einmal deine Rentenlücke berechnet? Oder gehörst du zu den Frauen, die sich sagen: „Ach, ich habe ja noch Zeit“? Genau das dachte ich auch. Erst mit 30 habe ich mich ernsthaft mit meiner Altersvorsorge beschäftigt. Heute weiß ich, dass ich das viel früher hätte tun sollen.

Die harte Wahrheit ist: Frauen sind in Deutschland überproportional von Altersarmut betroffen. Im Jahr 2023 lag die Armutsgefährdungsquote für Frauen ab 65 Jahren bei 20,8 %, während sie bei gleichaltrigen Männern 15,9 % betrug. (Quelle Statistisches Bundesamt)
Das liegt unter anderem daran, dass viele Frauen durch Elternzeit, Teilzeit oder schlecht bezahlte Jobs geringere Rentenansprüche haben. Gerade Selbstständige stehen hier vor einer noch größeren Herausforderung, da sie nicht automatisch in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen.


Was ist die Rentenlücke – und warum betrifft sie dich?

Die Rentenlücke bezeichnet die Differenz zwischen dem, was du im Alter zum Leben brauchst, und dem, was du tatsächlich an Rente bekommst.
Viele unterschätzen diesen Unterschied – bis es zu spät ist.

Hier eine einfache Berechnung:
Wie viel Geld brauchst du im Alter? Faustregel: Etwa 80 % deines letzten Nettoeinkommens.
Welche Einnahmen hast du im Alter? Dazu zählen gesetzliche, betriebliche oder private Renten.
Die Differenz = deine Rentenlücke – genau hier musst du aktiv werden!

Beispiel: Die Rentenlücke von Jessica

Jessica hat 4 Jahre studiert, war danach 3 Jahre angestellt und hat sich dann selbstständig gemacht. Seit ihrer Selbstständigkeit zahlt sie nicht mehr in die gesetzliche Rentenkasse ein.

  • Während ihrer 3 Jahre als Angestellte hat sie insgesamt 0,9 Entgeltpunkte gesammelt. Das entspricht bei der aktuellen Rentenformel einer gesetzlichen Rente von ca. 110 € pro Monat im Alter.
  • Ihr voraussichtlicher Bedarf im Alter (basierend auf 80 % ihres letzten Nettoeinkommens von 2.275 €) liegt bei ca. 1.820 € pro Monat.
  • Das bedeutet, dass ihre Rentenlücke bei rund 1.710 € pro Monat liegt.

Ohne zusätzliche Altersvorsorge müsste Jessica diese Lücke mit Ersparnissen, privaten Renten oder Investitionen ausgleichen. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, sich frühzeitig um Alternativen zu kümmern.


Meine eigenen Erfahrungen mit Altersvorsorge

Früher dachte ich: „Ich bin abgesichert, ich habe ja eine private Altersvorsorge bei meiner Bank abgeschlossen.“ Doch als ich genauer hinsah, stellte ich fest, dass die Gebühren so hoch waren, dass am Ende kaum Rendite übrigblieb. Das war der Moment, in dem ich meine Altersvorsorge selbst in die Hand nahm. Seit 2019 investiere ich gezielt in Aktien und ETFs – mit einem langfristigen Plan, nicht mit wilden Spekulationen.
Doch das ist nur eine Möglichkeit. Lass uns mal schauen, welche Optionen du hast. Oft macht es natürlich auch Sinn mehrere Optionen aktiv zu verfolgen.


Welche Möglichkeiten hast du, um deine Rente aufzustocken?

  1. Gesetzliche Rentenversicherung (freiwillige Einzahlung)
    Vorteile:
    ✔ Sicheres System mit Erwerbsminderungsrente und Hinterbliebenenschutz
    ✔ Keine eigene Anlagestrategie nötig
    Nachteile:
    ✖ Eingeschränkte Flexibilität
    ✖ Rendite ist oft geringer als bei privaten Alternativen
  1. Riester-Rente
    Vorteile:
    ✔ Staatliche Zulagen und Steuerersparnisse
    ✔ Garantierte Mindestverzinsung
    Nachteile:
    ✖ Hohe Verwaltungskosten und komplexe Verträge
    ✖ Rentenzahlung oft steuerpflichtig
  2. Private Altersvorsorge mit Aktien & ETFs
    Vorteile:
    ✔ Hohe Flexibilität und gute Renditechancen
    ✔ Investitionen sind individuell anpassbar
    Nachteile:
    ✖ Erfordert finanzielle Bildung und strategisches Vorgehen
    ✖ Marktschwankungen müssen ausgehalten werden
  3. Immobilien als Altersvorsorge
    Vorteile:
    ✔ Regelmäßige Mieteinnahmen als passive Einnahmequelle
    ✔ Inflationsschutz durch steigende Immobilienpreise
    Nachteile:
    ✖ Hoher Kapitalbedarf und laufende Kosten (Sanierung, Instandhaltung)
    ✖ Risiken durch Mietausfälle und Marktveränderungen

Wichtig: Falls du in Immobilien investieren möchtest, dann lieber als Kapitalanlage und nicht, um selbst darin zu wohnen. Viele vergessen, dass ein Haus nicht nur Sicherheit gibt, sondern auch jede Menge Geld verschlingt. Ein marodes Dach oder eine neue Heizungsanlage können schnell in die Zehntausende gehen – und wenn keine Rücklagen da sind, droht die Neuverschuldung.

Welche Zeiten musst du bei der Deutschen Rentenversicherung aktiv beantragen?

Viele Menschen gehen davon aus, dass alle relevanten Zeiten automatisch bei der Deutschen Rentenversicherung erfasst werden. Doch das ist nicht immer der Fall. Es gibt bestimmte Zeiten, die du aktiv beantragen musst, damit sie in deine Rentenberechnung einfließen.

1. Kindererziehungszeiten

Wenn du Kinder bekommen hast, kannst du dir bis zu drei Jahre pro Kind (bei Geburten ab 1992) als Kindererziehungszeit anrechnen lassen. Diese Zeit wirkt sich positiv auf deine spätere Rente aus, da sie wie Beitragszeiten gewertet wird.
📌 Antrag: „Antrag auf Anerkennung von Kindererziehungszeiten“ (V0800)
🕒 Wann beantragen? Möglichst frühzeitig nach der Geburt, spätestens jedoch kurz vor Rentenbeginn.

2. Pflegezeiten

Pflegst du eine Angehörige oder einen Angehörigen (mindestens 10 Stunden pro Woche, verteilt auf zwei Tage), kann diese Zeit als Beitragszeit gewertet werden. Hierfür übernimmt die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen die Rentenbeiträge.
📌 Antrag: „Meldung zur sozialen Sicherung der Pflegeperson“
🕒 Wann beantragen? Möglichst direkt nach Beginn der Pflegetätigkeit.

3. Schul- und Studienzeiten

Schul-, Fachschul- und Hochschulzeiten zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr können bis zu acht Jahre als Anrechnungszeit berücksichtigt werden.
📌 Antrag: Keine automatische Anrechnung – du musst diese Zeiten nachweisen und in deinem Versicherungsverlauf korrigieren lassen.
🕒 Wann beantragen? Am besten vor Renteneintritt, spätestens beim Kontenklärungsverfahren.

4. Zeiten der Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Reha

Zeiten, in denen du Arbeitslosengeld I, Krankengeld oder Reha-Leistungen erhalten hast, können für deine Rente zählen. Diese Zeiten werden teils automatisch erfasst, aber nicht immer korrekt.
📌 Antrag: Kontenklärung bei der Deutschen Rentenversicherung (V0100)
🕒 Wann beantragen? Spätestens vor Renteneintritt – besser früher, um Fehler rechtzeitig zu korrigieren.

Warum du dein Rentenkonto regelmäßig prüfen solltest

Gerade für Selbstständige, die oft nicht in die gesetzliche Rente einzahlen, ist es wichtig, den eigenen Rentenverlauf im Blick zu behalten. Du kannst jederzeit eine Renteninformation oder eine detaillierte Kontenklärung bei der Deutschen Rentenversicherung anfordern. Das hilft dir, Lücken frühzeitig zu erkennen und ggf. Beiträge nachzuzahlen.

📌 Tipp: Beantrage regelmäßig eine „Kontenklärung“ (V0100), um sicherzustellen, dass alle Zeiten korrekt erfasst wurden.

Es ist nie zu spät – aber je früher, desto besser!

Ganz ehrlich: Altersvorsorge kann ein kompliziertes Thema sein, und die vielen Möglichkeiten können schnell überfordern. Aber genau deshalb ist es so wichtig, sich bewusst mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen.
Ich weiß, wie schwierig es sein kann, den ersten Schritt zu machen. Deshalb arbeite ich mit meinen Kundinnen daran, ihre finanzielle Situation realistisch einzuschätzen und eine Strategie zu entwickeln, die für sie passt.
Wenn du unsicher bist, welche Altersvorsorge für dich die richtige ist, dann lass uns gemeinsam hinschauen. Denn eines steht fest: Du hast es in der Hand, deine Zukunft finanziell abzusichern!

Gern helfe ich dir dabei, dich finanziell besser aufzustellen. Gerade Selbstständige und Gründerinnen befassen sich oft viel zu spät mit dem Thema Altersvorsorge. Lass uns dazu gern im ersten kostenlosen Erstgespräch austauschen.

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